Zum Inhalt springen

Geschichten gehen Wege…

Eine schöne Geschichte 
(von Martin Anton)

Es war einmal eine schöne Geschichte, 
die war außen unsichtbar und innen bunt. 
Und in alten Zeiten
ging sie von Mund zu Mund. 

Eines Tages geriet sie in Sammlerhände, 
das bedeutete beinahe ihr Ende. 
Sie wurde in schwarze Lettern gefasst, 
bekam Seitenzahlen und Nummern verpasst, 
wirkte nun eher eckig als rund, 
außen schwarz und innen bunt. 

Ein Kind las sie. 
Und in seiner Fantasie
wurde sie wieder rund - 
außen unsichtbar und innen bunt. 

… Geschichten haben Schuhe

Sie laufen, wie es ihnen gerade passt. Von Mund zu Ohr. Von Ohr zu Mund. Von Mund zu Ohr zu Text. Oder von Text zu Mund zu Ohr. Manchmal auch von Text zu Text zu Text.

Aber was passiert dabei mit der Geschichte? Welchen Weg ist die Geschichte gegangen, um bei dir anzukommen? Einige dieser Wege sind mitunter fast abenteuerlicher als die Geschichte selbst!

Was passiert im kulturellen Dazwischen; dem Raum zwischen zwei Räumen, in dem „Über-Setzung“ geschieht – ein Übersetzen von einer Kultur oder auch Epoche in die andere. Nicht nur sprachlich.

Und: darfst du so eine Geschichte einfach weitererzählen? Darfst du sie auch einfach verändern? Anpassen?

Pfeifen Geschichten auf kulturelle Befindlichkeiten?

In der Gemeinschaft der Geschichtenerzähler und Geschichtenerzählerinnen besteht derzeit eine spürbare Verunsicherung. Welche Geschichte darf ich mir überhaupt noch wie aneignen und in meiner Version im öffentlichen Raum erzählen?

Wir sind uns zwar größtenteils einig, DASS wir uns Geschichten aneignen dürfen, aber inwieweit dürfen wir sie verändern? Unserem Publikum anpassen? Verständlich und vor allem erlebbar machen? Denn davon leben ja die Geschichten: dass wir eintauchen, mitgehen und mitfühlen.

Manchmal verstehen wir das Ende nicht oder es gefällt uns schlichtweg nicht. Oder eine Figur ist völlig unverständlich. Oder die Handlung scheint keinen Sinn zu machen. Aber die Geschichte hat uns einfach gepackt und möchte erzählt werden. Was tun?

Bei den europäischen Märchen haben wir meist weniger Hemmungen, sie uns „mundgerecht“ zu machen. Was geschieht aber, wenn ich eine Geschichte von Afrika oder Nordamerika mit europäischem Personal versehe, die Tier- und Pflanzenwelt verändere? Oder sie poetischer gestalte, mit Romantik und glücklichem Ende, obwohl ich sie so nicht gehört habe?

Künstlerische Freiheit im interkulturellem Raum

Wie künstlerisch frei bin ich auf interkulturellem Terrain? Darf ich alte heilige Geschichten einfach verändern? Wo sind die Grenzen der künstlerischen Freiheit? Wo verletzte ich die Würde derer, aus deren Kulturkreis die Geschichte stammt?

Oder sind die Fragen ganz falsch gestellt?

Fragen über Fragen, denen wir, Momo Heiß (Erzählerin und Musikerin) und ich, gerne mit dir und anderen gemeinsam nachgehen möchten.

Community Calls, Podcast, Workshops

Um das Thema anzugehen, möchten wir vor allem in Verbindung sein. Nicht übereinander sprechen, sondern miteinander. Mit Erzähler:innen, Erzählforscher:innen, Ethnolog:innen und Kulturwissenschaftler:innen aus anderen Kulturen und von hier.

Dafür richten wir Community Calls ein, in denen DU deine Fragen zum Thema stellen kannst. Sie fließen dann in die weitere Arbeit ein.

Wir machen Interviews mit Menschen, die Spannendes beizutragen haben. Dabei geht es nicht um „trockene“ Wissenschaft, sondern um unsere und deine Fragen, neue Blickwinkel und Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Diese Interviews werden frei zugänglich sein.

Die Workshops, zu denen du dich anmelden kannst, werden mit jenen Spezialist:innen und Erzähler:innen aus anderen Kulturkreisen sein und per Zoom durchgeführt.

Und vielleicht können wir sogar ein großes gemeinsames Fest in München feiern!

Dafür brauchen wir deine Unterstützung! Momo und ich brennen für das Thema und wir erfahren immer wieder: auch andere Kollegen und Kolleginnen aus den verschiedensten Bereichen und auf den verschiedensten Kontinenten brennen für das Thema. Es fehlt nur eine Möglichkeit, in Kontakt zu treten, sich auszutauschen. Dafür haben wir dieses Crowdfunding ins Leben gerufen; um eine solche Möglichkeit zu schaffen.

Mit deiner Unterstützung, mit der Unterstützung all derer, die kulturelle Vielfalt als Chance sehen. Chance, miteinander zu reden, voneinander zu lernen, in jenem Raum zwischen den Kulturen einen Raum zu schaffen für Austausch auf Augenhöhe, für Gemeinsamkeiten, Augenzwinkern und natürlich für Geschichten, ganz viele Geschichten!

Komm und setz dich ans Feuer mit uns und vielen anderen. Momo und ich warten schon.

In der Zwischenzeit gibt es…

Eine Facebook Gruppe, in der wir uns jetzt schon austauschen:
Cultural Awareness and Storytelling.
Zooms für eure Fragen: 24. Oktober, 08. und 17. November 2022.

Crowdfunding und Buchungsphase bis 22.11.22.
Hier geht’s zu mehr Infos.